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10.März 2008 Bonn (djv)

Tischlein deck´ dich : Zeit des Fastens für Wildtiere vorbei

Von wilden Küchenchefs und tierischen Speisekammern

Der Frühling kommt mit großen Schritten, Ostern steht vor der Tür. Nicht nur für Menschen ist die Zeit des Fastens damit vorbei. Im Gegenteil, für die Tiere in Wald und Feld ist endlich der Tisch wieder reich gedeckt. Ganz unterschiedlich ist laut Deutschem Jagdschutz-Verband dabei die Herangehensweise bei der Futtersuche und Bevorratung.

Der Iltis beispielsweise hat ein besonders trickreiches System, Vorräte anzulegen. Er lähmt seine bevorzugten Delikatessen, Frösche, Kröten oder Lurche, mit einem gezielten Nackenbiss nach Marderart. Die zwar lebendige, aber bewegungsunfähige Beute schafft er dann in seine gut geschützte Speisekammer, deren Eingang unter Wasser an Uferböschungen liegt. Oft nutzt der gewiefte Räuber ausgediente Bisambaue als Frischfleisch-Versteck. Dort verwahrt er sie so lange, bis die Amphibien ganz oben auf seinem Menü stehen und er sie à la carte verzehrt.

Gar nicht hinterm Berg hält indes der Neuntöter, was seine Vorratshaltung betrifft. Wenn der sperlingsgroße Singvogel Ende April aus Afrika zurück ist, sammelt er seine Lieblingsspeisen ganz öffentlich hoch oben in dornigen Hecken und Sträuchern. Wie auf der Wäscheleine aufgereiht, spießt er dort allerlei Insekten auf, ganz nach Art des Hauses. Auf diese Weise bevorratet sich der sperlingsgroße Vogel für Regenwetter, wenn kein Käfer nur ein Bein vor sein trockenes Versteck setzt. Deshalb steht bei Familie Neuntöter des öfteren Dörr-Spießchen von Mücke, Grille oder Hummel auf dem Speiseplan. Dank seines speziellen Falkenzahns im Schnabel knackt der Neuntöter sogar den härtesten getrockneten Insektenpanzer.

Im Gegensatz zu den Fleischfressern legen die Vegetarier unter den Wildtieren in aller Regel keine Speisekammern an. Rehwild beispielsweise ist stets auf der Suche nach dem frischesten Grün. Es gilt als ausgesprochen wählerischer Feinschmecker. Gerade die jüngsten und zartesten Triebe und Knospen sind ihnen gut genug. Rehe haben einen vergleichsweise kleinen Magen und sind daher auf die gehaltvollsten Pflanzenteile angewiesen. Selbst vor menschlichen Siedlungen machen sie für eine exquisite Köstlichkeit nicht halt. Ein üppiger Rosengarten ist für die wilden Gourmets ein wahrer Feinkosttempel.

Ein Tier, das sich ebenso auf besonders ausgewählte Kost versteht, ist der Feldhase. Als typischer Bewohner der offenen Landschaft liebt er Gräser und Kräuter. Seine Lieblingshappen sind Kamille, Schafgarbe, Hirse und Weißklee. Meister Lampe sucht, wie Untersuchungen zeigen, diese Pflanzen ganz gezielt aus. Warum? Weil er instinktiv um deren heilsame Wirkung weiß. Die Jäger bezeichnen abwechslungsreiche Wildkräuterstreifen deshalb als Hasenapotheke. Der Mümmelmann benötigt sie, um gesund zu bleiben. Wo für die vermeintlichen Unkräuter kein Platz bleibt in der intensiv genutzten Fläche, wird es für den Feldhasen freilich eng. Daher legen viele Jäger in ihren Revieren als Schutzmaßnahme für Meister Lampe extra Kräutergärten an.