Mamma Mia! Ganz Kino-Deutschland ist im Abba-Fieber. Machen die Hirsche von www.wildtiere-live.de etwa auch gerade eine Zeitreise in die wilden 70er? Die wilde “Haartracht”, die sie seit neuestem tragen, lässt es vermuten. Doch die langen Fetzen, die von den Geweihen baumeln, sind keine Anzeichen für eine tierische Musicalbeteiligung – schauspielerische Ambitionen haben die Stars von wildtiere-live.de keine, teilte der Deutsche Jagdschutz-Verband, Initiator der tierischen Daily-Soap, heute in Bonn mit.
Vielmehr weist die neue “Frisur” der Rotwildherren – wie des Öfteren auch bei Menschen – auf gravierende Veränderungen im Privatleben hin. Schließlich steht die Brunft bevor! Die langen Zotteln, die vom Kopfschmuck der Hirsche baumeln, sind Reste des Bastes – der schützenden, samtartigen Nährhaut, die das die Geweihstangen während ihres Wachstums umgibt. Um sich in der Paarungszeit, die ab September beginnt, wieder in voller Pracht präsentieren zu können, “fegen” die Hirsche: Sie schlagen ihr Wahrzeichen gegen Äste und Bäume, damit sich die Schutzhülle ablöst. Ganz nach dem Motto: Runter mit dem Plüsch und Zähne – beziehungsweise Geweih – zeigen!
Doch natürlich gibt es für das Schauspiel nicht nur eitle Gründe, sondern auch biologische: Der gesamte Geweihzyklus der Hirsche ist eng mit ihrem Sexualzyklus verbunden. Jedes Jahr im Frühling werfen die Rotwildmänner – im Gegensatz zu Hornträgern wie Ziegen oder Rindern – ihr komplettes Geweih ab. Danach wächst der Kopfschmuck bis 2,5 Zentimeter täglich nach. Im Bast verlaufen unzählige Blutgefäße, die für den raschen Aufbau von Knochenzellen sorgen. Ist die Wachstumsphase im Spätsommer beendet, wird es unangenehm für die Tiere: Der Bast trocknet aus und beginnt zu jucken – und da Hirsche sich nicht kratzen können, versuchen sie, sich mit schlagenden Bewegungen an Bäumen und Sträuchern Linderung zu verschaffen. Das Resultat ist ein blankes Geweih, mit dem sich die Herren im Clan pünktlich zur Brunft vor der Damenwelt brüsten und ihre Nebenbuhler in die Flucht schlagen können.
