Kennst du den schon?

Mission Jungtierrettung

Wenn die Wiesen gemäht werden, herrscht Alarmstufe ROT für Rehkitze und andere Jungtiere

Wochenende, die Wettervorhersage verspricht Sonnenschein – ideale Bedingungen für die Landwirte das Grünfutter für ihre Kühe zu mähen. Für Jäger Bruns heißt das: Früh raus aus den Federn. Kurz vor Sonnenaufgang macht er sich auf zum vereinbarten Treffpunkt mit Bauer Emmerich, denn bevor die Mähmaschine ihre Arbeit aufnimmt muss das Feld akribisch auf junge Rehe, Feldhasenjunge und Gelege von Bodenbrütern wie Rebhühner und Fasanen abgesucht werden.

Jungtiere gut getarnt

Keine leichter Job für die beiden Naturfreunde, getupft wie eine Blumenwiese verstecken sich die Rehkitze im hohen Gras und hoffen, ganz nach Vogel-Strauß-Manier, dass die Gefahr an ihnen vorüberzieht – ein sinnvoller Mechanismus gegen Reinecke Fuchs, im Fall der Mähmaschine jedoch fatal.

Konzentriert muss die Wiese Meter für Meter durchkämmt werden, da ist es gut, wenn Bekannte und Freunde helfen und so eine engmaschige Menschenkette entsteht. Tierische Unterstützung erhält die Gruppe durch Jagdhunde, doch auch sie tun sich schwer. Ihre sonst so zuverlässigen Nasen lassen sie bei Kitzen allzu leicht im Stich. Die Jungen haben in den ersten Lebenswochen keinen Eigengeruch und sämtliche verräterischen Körperausscheidungen leckt die Mutter sorgsam auf.

Früh am Morgen, wenn der Erdboden von der Nacht noch kühl ist, lohnt sich der Einsatz eines modernen Infrarot-Wildretters. Diese Geräte erkennen Tiere und Gelege aufgrund ihrer Körperwärme in Form von Infrarot-Strahlung. Sobald jedoch die Sonnenstrahlen die ersten Steine erhitzen, häufen sich die Fehlmeldungen.

Bereits am Abend vor der Mahd beginnt normalerweise die “Mission Jungtierrettung”. Dazu werden die Wiesen rundherum angemäht, Wecker im Gras aufgestellt, die während der Nacht stündlich ein lautes Rasseln ertönen lassen, hinzu kommen Joggerblinklichter, Wildscheuchen und künstliche Duftstoffe, um den Rehmüttern zu signalisieren: “Hier stimmt was nicht, besser dem Nachwuchs eine neue Bleibe suchen”.

Kitzrettung, Foto: Huckriede

Kira, Bruns Jagdhündin, steht vor und signalisiert so, dass sie ein Rehkitz gefunden hat.

Ruhig wartet sie im gebührenden Abstand bis ihr Herrchen erscheint. Mit viel Gras, um jegliche Annahme von Menschengeruch zu vermeiden, trägt der Jäger das Tier vorsichtig an den Waldrand.

Dort deckt er das Junge mit einem Körbchen ab, damit es nicht wieder in die Wiese laufen kann. Nach getaner Arbeit kommt der Korb weg und wenn Ruhe eingekehrt ist, wird die Ricke ihr Junges dort wieder abholen.

Bauer Emmerich hat ein Rebhuhngelege entdeckt. Leider finden die Vögel ihr Nest nach dem Umsetzen nicht wieder, aber der Landwirt weiß sich zu helfen: Er wird die Eier seinen Hühner unterschieben und die Tiere aufziehen. Später werden sie dann ausgewildert.

Endlich, es ist geschafft! Das Feld wurde nach besten Wissen und Gewissen durchsucht, doch weder für den Jäger noch für den Landwirt ist die Arbeit damit vorbei. Bruns macht sich auf zum nächsten Bauern in seinem Revier, denn auch dieser möchte die Gunst des schönen Wetters nutzen und sein Grünfutter einbringen. Und Emmerich? Der fährt sicherheitshalber mit seiner Mähmaschine in die Mitte der Wiese und mäht von innen nach außen, damit das ein oder andere Tier noch eine Fluchtmöglichkeit hat.